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Vortragsreihe "Formen Sehen - Kunst Verstehen"
Baugeschichte und Design

Dem Himmel entgegen  – Die Kunst der Gotik

6 Vorträge   fanden von August bis Dezember 2009 statt

 

Woran erkenne ich Gotik?

Die Kunst der Gotik entwickelt sich in der Mitte des 12. Jahrhunderts im Herzen von Frankreich – auch wenn jüngere Generationen später davon ausgehen, bei der Gotik handele es sich um eine deutsche Schöpfung. Die gotische Architektur, Statuen, Reliquiare und Buchmalereien erzählen die Geschichte der Menschen, die im hohen und späten Mittelalter gelebt haben.

Ausgesuchte Bildbeispiele illustrieren die Inhalte der Vorträge. 


Die Termine im Einzelnen:
 

        

Fiale und Strebebogen  -Wie erkenne ich Gotik?
Die Einführungsveranstaltung hat am Mittwoch, 26. August 2009 stattgefunden

Zu Beginn der Vortragsreihe sollen die typischen Erkennungsmerkmale für Kunstwerke dieser Epoche vorgestellt werden. Denn es gibt ganz grundlegende Gestaltungsweisen, die immer wieder angewendet werden. Kirchengrundrisse, Gewölbe, Fenster, Säulen und Schmuckelemente werden von den, in der Regel nicht näher bekannten Handwerkern, variiert und kombiniert. Diese Grundelemente fügen sich zu einem Gesamtbild zusammen. Man erkennt Parallelen, aber auch immer wieder reizvolle individuelle Strukturen. Die wichtigsten Details und Fachbegriffe werden hier vorgestellt und erläutert.
 

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Am Mittwoch, 16. September 2009 fand statt:

Dem Himmel entgegen. Zur gotischen Architektur,
Beispiele Teil 1

In der Mitte des 13. Jahrhunderts, begannen die Kölner mit dem Neubau des Kölner Doms. Sie bauten die Bischofskirche als steinernen Schrein für die sterblichen Überreste der Heiligen Drei Könige. Kaufleute und Wanderprediger berichteten von diesem Wunderwerk, daß im Aachener Glashaus eine adäquate Ergänzung finden konnte. Der Bau zeigt konsequent die technischen Grundlagen. Das tragende System ist auf die Stützen und Strebebögen reduziert worden. Große Fenster mit geometrischen Spitzenmustern lassen strahlendes Sonnenlicht ins Innere Fallen.

Viele der bereits bestehenden Kirchen wurden wegen ihres Alters abgebrochen und durch Neubauten ersetzt. Sie müssen nicht unbedingt in einer großen Stadt wie Masstricht oder Lüttich stehen. Viele kleine Orte auf dem Land wie Kornelimünster, Frauwüllesheim oder Merssen besitzen opulente Werke der gotischen Bauperiode.
 

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   Am Mittwoch, 7. Oktober 2009 fand statt:

Turmmonstranz und Adlerfibel - Goldschmiedearbeiten

Funkelndes Gold und Edelsteine haben die Menschen schon seit der Antike fasziniert. Joch jede Epoche hat sie anderweitig verwendet. Zur Gestaltung der liturgischen Gerätschaften wie Kelche und Weihrauchfässer finden die Goldschmiedemeister reizvolle Spielformen. Vierpässe und Figuren verzieren Kerzenleuchter, Monstranzen und Reliquienschreine. Wie bei der Bauweise spielt die vertikale Ausrichtung die wichtigste Rolle. Hohe, zerbrechlich wirkende Spitzen und sehr schlanke Statuetten unterstreichen mit ihrer Form den Wert des Gegenstands. Die angedeuteten Gewänder lassen den Körper mit einer geschwungenen S-Form sichtbar werden.
Doch nicht nur die kleinteiligen Schmuckstücke sind das Besondere Ihrer Entstehungszeit. Überwältigend steht der Betrachter auch heute noch vor den kunstvollen astronomischen Uhren und Glockenspielen als Belege einer weit entwickelten Handwerkskunst der Zünfte.
 

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Am Mittwoch, 28.Oktober 2009 fand statt:

Krönungssaal und Säulengang – Zur gotischen Architektur, Teil 2

Zwar spielen die sicheren Burgen noch immer eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, einen sicheren Rückzugsort zur Verfügung zu stellen. Aber nun scheint nach vielen Jahrhunderten wieder das nötige Kleingeld vorhanden zu sein, um feste Gebäude aus Stein zu errichten. Nicht nur der Adel, sondern auch das Bürgertum möchte mit Bauwerken seine wirtschaftliche Stärke und seine politische Macht dokumentieren. In den Städten, umgeben von mächtigen Stadtmauern mit filigranen Türmen, entstehen die Häuser des Rats. Fialen und Figuren, Bögen und Blendwerk überziehen die Fassaden wie mit steinernen Spitzen. Die Steinmetze liefern die Statuen der gekrönten und geheiligten Häupter. Sie stehen auf Galerien oder an Pfeilern und können noch heute als Ahnentafel verstanden wissen.

Nicht nur die Rathäuser und Tuchhallen, sondern auch die etwas kleineren Privathäuser werden nach gleichen Mustern aus Natursteinen errichtet. Für Pilger, Kaufleute und Reisende läßt sich an der Menge der festen Häuser ablesen, wenn es sich um eine „steinreiche Stadt“ handelt.

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AmMittwoch, 18. November 2009 fand statt:

Minnesang und Lüsterweibchen - Wohnen und Lebenswelten in der Zeit der Gotik

Bis in der Gotik waren es im wesentlichen Könige und Kirchenfürsten, die als Auftraggeber für Kunstwerke in Erscheinung traten. Nun aber steigt das Interesse an reich verzierten Möbeln für die privaten Wohnräume größer. Der Steinmetz kann nicht nur die Balustraden in Stein entwerfen, sondern auch die filigranen Maßwerkfriese an Schränken und Vertäfelungen.

Throne und Wangentische, Himmelbetten und Wäschetruhen bleiben jedoch auch in dieser Epoche die einzigen Möbel. Wie die Kleidung der Minnesänger und Rittersleute sind sie reich verziert. Die kostbaren Stoffe sind mit Goldfäden durchwirkt und stark farbig. Jeder trägt die für ihn typische Kleidung. An der Pelzverbrämung, der Farbe oder den winzigen goldenen Glöckchen erkennt der Zeitgenosse, welche gesellschaftliche Rolle man spielt. Detaillierte Zeichnungen in den kostebaren „Stundenbüchern“ habe die Zeitverhältnisse auch für die Zukunft konserviert. Das Bild der edlen Dame mit ihrer schleierbesetzten hohen Hennin ist unverwechselbar mit dem hohen Mittelalter verbunden.
 

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Am Mittwoch, 9. Dezember 2009 fand statt:

Hochkreuz und Schwibbogen – Neogotische Bauten, z.B. im 19.Jhdt.

So richtig kam die Gotik nie aus der Mode. Wahrscheinlich lag es an den eleganten, schlanken Formen, die immer wieder schön zum anschauen sind. In der Epoche der Romantik wünschte man sich die vermeintlich „gute alte Zeit“ zurück. Die Menschen sehnten sich nach einer ruhigen, idyllischen Lebensweise zurück und ließen sich „gotische Häuser“ erbauen.

Doch erst mit der Interpretation des Kölner Dom-Torsos als Nationales Denkmal am Rhein beginnt der Siegeszug der Kölner Schule. Die in der Dombauhütte ausgebildeten Steinmetze lassen sich an vielen Orten nieder. Sie setzen die gotischen Kirchenbaupläne der Baumeister in die Tat um. Alles, von der Tasse über den Bücherschrank bis hin zur Balkonbrüstung und zum Grabstein wird mit Maßwerk, Vierpässen und Spitzbögen überzogen.

Der gotische Stil ist hervorragend für Kirchen, Klöster, Burgen und deren Ausstattungen geeignet ist. Aber Bahnhöfe, Universitätsgebäude, Schulen und Fabriken mit Spitzbogenblenden sind eher als Kuriosum zu werten. Die Neogotik ist zeittypisch aber charakterisiert zugleich den Endpunkt auf einer Endwicklungslinie.

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